3 Wochen altAusgerechnet ein Jagdhund errettete dich im Alter von 3 Wochen auf einem Waldspaziergang vor dem sicheren Tod. In seiner Schnauze „apportierte“ er dich kleines Fellknäuel seinem Frauchen, die dich sofort zum nahe gelegenen Domizil des TSV Hoffnung für Tiere brachte. Hungrig verschlangst du – völlig nass vom Hundespeichel – die dir angebotene warme Katzenmilch. Du wurdest auch die nächsten Wochen von den lieben Menschen dort bestens umsorgt.

Man gab dir da den Namen Stefan – und das nicht ohne Grund: Dein Namensvetter im Tierheim zog dich mit der Flasche auf und man hielt dich immer schön warm. So konntest du dich zu einem wahrlich hübschen Kater entwickeln. 



Wir wurden auf dich und deine Geschichte aufmerksam, als man dich kleinen Kerl aus der Quarantäne entließ und zur Vermittlung freigab. Schon die Beschreibung, die wir auf der Seite des TSV über dich lesen konnten, ließ unsere Herzen aufgehen. Lieb seist du. Nichts mochtest du mehr, als mit den Menschen im Tierheim zu kuscheln. Das du auch als stubenrein, artig, verspielt und verträglich mit Artgenossen beschrieben wurdest, war natürlich ebenso toll. Allerdings dachten die Leute da, dass sie dich ob deiner engen Beziehung zu Menschen doch gern als alleinigen Prinz vermitteln wollten. Das war im Dezember 2011.

Unsere Prinzessin Lilly war kurz vorher über die Regenbogenbrücke gegangen. Und da hier nun plötzlich ein Prinzengemach frei wurde, fuhren wir kurzerhand ins Tierheim, um eine Audienz bei dir zu erbitten. Gott war das für uns ein Erlebnis! Als wir deine Residenz betraten, hast du uns sofort deine Gunst erwiesen. Du ließt dich von uns streicheln, sprangst auf den Tisch und köpfeltest uns schnurrend. Ich denke wir haben keine Sekunde überlegen müssen. DU solltest bei uns einziehen. 

Weihnachtsbaum2 Tage nachdem alle Formalitäten erledigt waren, kam dein Lieblingspfleger und Namensvetter vorbei, um dich in deinen neuen Palast zu bringen. Wir hatten für unseren Hausherren derweil alles bestens vorbereitet. Ein Thron in Form eines neuen Kratzbaums war besorgt, allerlei Spielzeug aus den Hinterlassenschaften der ehemaligen Prinzessin wartete auf den erneuten Einsatz. Dein neues Personal erwartete aufgeregt deine Ankunft. Während uns dein Stefan noch das ein oder andere Papier übergab, hast du dein neues Reich schon ausgibig begutachtet. Wir freuten uns sehr, dass dir anscheinend gefiel, was du hier bei uns vorfandest. Zumindest bedachtest du uns drei zwischendurch immer wieder mit kleinen Schmuseeinheiten.


Deinen Schlafplatz hattest du recht schnell für dich erkoren – er sollte unter unserem Bett sein. Den ersten Rückzugsort den du aufgesucht hast, um dem nervigen Fernsehergeräusch zu entgehen. Mit diesem Utensil deiner Dosi’s hattest du einige Anlaufschwierigkeiten. Ansonsten allerdings lief alles prima. 
Der Name DUSTY war für uns nur logisch – uns beiden war recht schnell klar, dass du hier einigen Staub aufwirbeln wirst. Du hast uns in deiner Zeit bei uns aber auch so einige Rituale beigebracht. So war es Usus, dass die Ankunft des ersten Bediensteten nach dem „Mäuse verdienen“ bedingte, dem kleinen Prinzen ein Nachmittagsmal zu kredenzen um sich dann ausgibig bekuscheln zu lassen. Der Weckton des Handy’s des männlichen Dosis hatte 20 Minuten vor dem eigentlichen Aufstehens des Selbigen zu ertönen – einfach, damit du kleiner Racker bei eben jenem Ton aufs Nachtlager springen konntest, um dich noch eine Weile schnurrend bekuscheln zu lassen.

Deine menschlichen Mitbewohner dachten sich nach einem Jahr, dass es doch irgendwie schön wäre wenn dem kleinen Prinzen noch eine Prinzessin zur Seite stehen würde. Einfach um die Zeit zu überbrücken, in der wir außer Haus oder im Urlaub waren. Die kam dann für dich in Form unseres Lackfellchen Ruby. Du warst ihr gegenüber echt ziemlich skeptisch. War ja auch klar. Dir waren Menschen wichtiger als deine Artgenossen. Daher dauerte es etwas, bis du dich an sie gewöhnt hast. Aber ihr habt euch arrangiert – das die kleinen Liebesbeweise eher von ihr als von dir kamen, sei nur am Rande vermerkt. 

Tja… aber als alles wieder „seinen Gang“ ging, hat dir das Schicksal echt übel mitgespielt. Du bist zu einem stattlichen Kater herangereift. Unser Tierarzt sprach immer von „dickem Fell“, wenn er dich sah. Seine Tierarzthelferin schmunzelte gern mal… wir denken ja, das dein Arzt eine ähnlich stattliche Erscheinung sein Eigen nennt. 

In den letzten Wochen war es aber weder dein Fell noch ein tatsächlich angewachsener „Wohlstandsbauch“. Vielmehr suchte dich eine der fiesesten Krankheiten heim, die man sich vorstellen kann: FeLV. Wir konnten uns deine Lethargie nicht wirklich erklären. Du hattest zwischendurch schon immer mal das ein oder andere Zipperlein. Mit dem Wissen um deine Vorgeschichte war uns klar, dass dein Immunsystem nicht das stärkste sein würde. Bisher hattest du aber alle Klippen fein umschifft. Ein kleiner Schnupfen versetzte uns im ersten Jahr schon in Angst und Schrecken, FORL wenig später – und nun diese Diagnose. 

Wir waren geschockt. Wasser hatte sich in deinem Bauchraum gebildet. Wir bekamen eine eindeutige Prognose: Du würdest in 2-3 Tagen sterben müssen. Trotzdem wollten wir dich aus der zur Untersuchung nötigen Narkose wieder erwachen lassen. Das Behandlungszimmer unseres Tierarztes sollte nicht das Letzte sein, was du in deinem Leben sehen durftest. Du solltest zurück in dein Schloss… 

Und so nahmen wir dich mit nach Hause. Den ersten Tag ging es dir schlecht – wir fragten uns tatsächlich ob es richtig war, dich noch mal mitzunehmen. Aber du warst wirklich unglaublich! Mit jedem Tag konnte man eine Verbesserung bei dir feststellen. Hast gefressen, hast getrunken, bist aufs Katzenklo gegangen. Das mochte am hochdosierten Kortison liegen.

Aber du hast auch stundenlang bei uns im Bett mit uns beiden gekuschelt. Auf dem Balkon warst du oft um die Vögel in den Bäumen zu beobachten – oder um dir einfach die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Unglaubliche 7 Tage hattest du es durchgehalten. Du wolltest noch nicht gehen. Wir haben dich natürlich total verwöhnt. All das ungesunde Zeug durftest du plötzlich essen. Jede freie Minute gab es Kuscheleinheiten.

Gestern allerdings ging es bergab. Du hast nicht mehr gefressen, das Laufen fiel dir schwer… und du hast über den Tag einige Male gewürgt. Bei uns gingen die Alarmglocken an. Leiden lassen wollten wir dich nicht. Einem Prinzen steht natürlich eine gewisse Lebensqualität zu. Die war aber nicht mehr gegeben.

So rief ich heute unseren Tierarzt an. Wir wollten dich in deiner gewohnten Umgebung gehen lassen – so schwer es uns auch fiel. Deine letzten Stunden bei uns hast du noch mal so richtig genossen. Du hast auf dem Balkon gelegen, vom Thunfisch gegessen, das Wasser aus dem Hahn unserer Spüle getrunken… Wegzehrung zum Gang über die Regenbogenbrücke aufgenommen. 

Wir haben dich ein letztes Mal ausgibig bekuschelt – du quittiertes das mit einem lauten Schnurren. Auch deine Prinzessin hat sich von dir verabschiedet. Sie hat dich so derartig ausgibig am Kopf geleckt, dass dein Fell dort ganz zerwuschelt und nass war. Unser Tierarzt kam um 15 Uhr in deinen Palast, um dich aus dem Leben zu entlassen. Für uns war das alles ein wenig ironisch. Bei deiner Ankunft schossen wir noch ein Foto vom Tierschutz-Mobil… heute sahen wir an fast der selben Stelle unseren Tierarzt einparken. Aber trotz all dem Schmerz – wir sind uns sicher, alles richtig gemacht zu haben. Du hattest noch ein paar erfüllte Tage, deine Dienerschaft war ständig um dich herum und du bist in deinem Palast noch rechtzeitig eingeschlafen, ehe deine Krankheit dir ernsthafte Probleme verursacht hat.

Wir haben dich mittlerweile in unserem Garten beerdigt. Ein schönes Fleckchen haben wir gewählt – eines Prinzen durchaus würdig. Einige Blümchen haben wir gepflanzt – eine Forsythie von einem deiner besten Freunde die du hier kennen lernen konntest, soll in Kürze deine Ruhestätte schmücken. 

Wir hätten dir gern eine längere Zeit bei uns bereitet, Dusty. Wir finden es unendlich schade, dass du nur so kurz unser Leben bereichern durftest. Ruby vermisst dich übrigens auch… sie hat heute Abend lange nach dir gesucht. Wirf ab und an mal ein Auge auf die kleine Maus hier unten, grüß Lilly von uns und viel Spaß mit deinen neuen Freunden da „oben“

Lebe wohl, Dusty
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Ein Gedanke zu „Lebe wohl, Dusty

  • 5. Mai 2014 um 13:00
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    Nur ganz kurz: ihr habt alles richtig gemacht!
    Dusty verlebte in eurer Residenz die beste und glücklichste Zeit seines kurzen Lebens!!!
    Für eure Ruby hoffe ich nur, dass sie dieses „Luxusleben“ bei euch noch lange genießen kann!
    Ihr habt meinen GRÖSSTEN RESPEKT!!!!
    Macht weiter so – BITTE!!!

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